Monthly Archives: April 2013

Am vergangenen Donnerstag und Freitag bot sich uns gleich zwei Mal die Gelegenheit Tweedback – obwohl noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase – in zwei großen Vorlesungen zu testen. Frau Dr. Meike Klettke, Dozentin am Institut für Informatik, hatte bereits im Vorfeld von der Projektidee erfahren und sah sofort die Einsatzmöglichkeiten für ihre Veranstaltungen. Daher bat sie uns, Tweedback schnellstmöglich testen zu dürfen. Diesem Wunsch kamen wir sehr gerne nach, auch da uns so die Möglichkeit geboten wurde, erstmalig den realen Einsatz von Tweedback durchzuführen und zu beobachten, wie die Dozentin und die Studenten sich die neuartige Technik aneignen und diese verwenden. Wir konnten ihr zu diesem Zeitpunkt aber nur eine der Grundfunktionen von Tweedback anbieten: die Chatwall. Die Funktion also, die es Studenten ermöglicht, Fragen an den Dozenten zu richten. Diese Fragen können von den Kommilitonen hochgevotet werden, sodass der Lehrende einen schnellen überblick über relevante Fragen des Auditoriums erhält.

Wir sahen von komplexen technischen Einführungen ab und übergaben Meike Klettke lediglich ein Tablet auf welchem Tweedback lief. Die Studenten wurden nur informiert, dass sie im Rahmen der Vorlesung die sie gerade besuchen die Möglichkeit haben, dem Dozenten live Fragen zu stellen. Dafür sollten sie mit ihren mobilen internetfähigen Geräten einfach einen kurzen Link aufrufen. Alles weitere – so der Anspruch – sollte selbsterklärend sein.

Alpha-Test | Link

Um es kurz zu machen; der Einsatz funktionierte zur Freude aller Beteiligten wirklich sehr gut. Einerseits lief das Programm sehr stabil und es gab keine größeren technischen Probleme, anderseits kam sowohl die Dozentin als auch die Studenten mit Tweedback sehr gut zurecht. Es dauerte keine Minute, bis die ersten Fragendie Dozentin erreichten.

Wie erwartet fand im Zuge des Einsatzes neuartiger Technologien eine Art “digitaler Aushandlungsprozess” zwischen den Beteiligten statt, im Rahmen dessen die Protagonisten austesten, was ihnen die Technik ermöglicht, zu welchem Zweck sie verwendet werden kann und wie weit sie die Möglichkeiten der Technik ausreizen dürfen ohne sanktioniert zu werden. Daher ist es auch nicht überraschend, dass Tweedback nicht nur für den Zweck verwendet wurde, für den es entwickelt wurde, sondern auch darüber hinaus. So lässt sich sagen, dass der Großteil der ungefähr 50 formulierten Fragen klaren Vorlesungsbezug hatten, während vereinzelte Äußerungen eher unter die Kategorie Spam oder Spaß fallen würden. Dies war nicht wirklich überraschend und hängt, wie wir am Folgetag im Zuge des zweiten Testlaufs bemerkt haben, auch stark von der Zusammensetzung des Zuhörerschaft ab.

Es muss gesagt werden, dass die Dozentin mit Tweedback wirklich sehr gut zurecht kam. Sie schaute ungefähr alle 15 bis 20 Minuten auf das Tablet, überflog kurz die Fragen, beantwortete diese oder führte einzelne Punkte noch einmal etwas genauer aus und reagierte auf Spaßfragen oder dergleichen gar nicht. Die Studenten hingegen schienen ebenfalls sehr angetan von den neuen Möglichkeiten. Dies lässt sich an der Intensität der Nutzung von Tweedback und auch an dem Gesprächen nach der Vorlesung festmachen. Der Mehrwert für die Vorlesung, für die Studenten aber auch für die Dozentin war schlagartig erkennbar.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei Meike Klettke für die nette Kooperation bedanken und auch bei den Studenten, die nach der Vorlesung noch zu Gesprächen mit uns bereit waren und uns sehr hilfreiches Feedback und Denkanstöße geliefert haben.

Sollten die Entwicklungen von Tweedback weiterhin planmäßig vorangehen, werden in den kommenden Wochen weitere Tests folgen. Dabei werden dann auch neue Funktionen zum Einsatz kommen. Es bleibt also spannend.

 

 

Vortrageinladung

Alle Interessierten sollten sich den 07. Mai im Kalender vermerken, denn an diesem Tag wird es im Konrad-Zuse-Haus einen Vortrag über didaktische Konzepte mit Schwerpunkt auf das Projekt Tweedback geben.

Die Erziehungswissenschaftler Jüte-Sophia Sigeneger und Andreas Langfeld werden einen Vortrag zur didaktischen Einführung von Tweedback im Kontext von blended learning-Konzepten halten. Dabei werden die für Tweedback relevante Methoden und Verfahren erläutert und die geplanten Module von Tweedback sowie Fragen der didaktischen Umsetzung diskutiert. Dem 30-minütigen Impulsvortrag folgt eine Diskussion über die vorgestellten Handlungsempfehlungen.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Vortrag wird im Rahmen eines Forschungsseminars um 13:15 Uhr im Raum 308 in der Albert-Einstein-Straße 2 stattfinden.

Funktionale Gedanken

Heute nun – wie angekündigt – ein paar Ausführungen zu den Funktionen die Tweedback zukünftig bereithalten wird.

Der Antrieb zur Entwicklung von Tweedback entsprang genau genommen dem Wunsch einiger Dozenten, in Vorlesungen die Möglichkeit zu haben, dem Auditorium eine Frage mit unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten zu stellen und  anschließend jeden Studenten für eine der Antworten abstimmen zu lassen. So gesehen; ein akademischer Publikumsjoker. Mit Hilfe der Quiz-Funktion kann der Dozent genau dies tun. Mit einem Klick wählt er aus, ob eine „ja/nein“- oder eine A,B,C,(D)-Frage gestellt werden soll. Anschließend entscheiden sich die Studenten für eine der Antwortmöglichkeiten und stimmen ab. Daraufhin erscheint auf dem Bildschirm des Dozenten (oder wahlweise für alle sichtbar auf der Leinwand im Hörsaal) unmittelbar das Ergebnis als graphische Darstellung.

Quiz-Funktion

Mit Hilfe der Chatwall werden Studenten befähigt Fragen zum Inhalt der Vorlesung zu stellen. Zum Beispiel Verständnisfragen oder die Bitte etwas genau bzw. erneut zu erklären. Damit der Dozent nicht in einer Flut von Anfragen untergeht, erscheinen die Fragen der Studenten erst dann auf dem Dozenten-Bildschirm, sobald genügend Kommilitonen die Frage des Fragenstellers für wichtig halten. Erst wenn ein gewisser Prozentsatz des Auditoriums die Frage “geliked” hat, wird sie dem Dozenten angezeigt.

Chatwall-Funktion

Die dritte der derzeit fest eingeplanten Funktionen sind die Speechparameter. Diese sollen dem Dozenten einen Feedbackkanal eröffnen, über welchem ihm die Zuhörer seiner Vorlesung mitteilen können, ob bspw. die Sprechgeschwindigkeit angemessen ist oder ob Ausführungen verständlich sind. Ähnlich wie bei der Chatwall wird der Dozent auch hier eine Art „Buffer“ aktivieren können. Ein Student der auf „Dozent redet zu schnell“ klickt, wird nicht ausreichen um diese Information an den Dozenten zu übermitteln. Sobald aber mehrere Studenten die Sprechgeschwindigkeit ähnlich einschätzen, wird auf dem Bildschirm des Dozenten ein dezenter Hinweis erscheinen, der ihn über die Wahrnehmung der Zuhörer informiert.

Speech-Parameter

All diese Funktionen können zu Beginn der Veranstaltung vom Dozenten mit Hilfe eines einzigen Mausklicks aktiviert oder deaktiviert werden. Jeder Dozent ist so in der Lage nur jene Funktion zu verwenden, die er auch benötigt und bei denen er einen Mehrwert für die Lehrveranstaltung erkennt. Sämtliche anderen Funktionen können deaktiviert und nur bei Bedarf wieder hinzugeschaltet werden.

Im Gespräch sind allerdings auch noch weitere Funktionen. So wird derzeit eine Möglichkeit der Zusammenführung der Tweedback-Funktionen mit den Vorlesungsfolien der Dozenten diskutiert. Dies könnte einerseits die Studenten befähigen, Folien des Dozenten zu kommentieren, Fragen direkt auf der Folie zu verfassen oder Folien zu bewerten (bspw. deren Relevanz im Hinblick auf die kommende Klausur als Tipp für die nachfolgenden Kohorten an Studenten). Der Dozent hingegen würde direktes Feedback zu den Inhalten und der didaktischen Qualität seiner Folien erhalten und wäre so in der Lage, die Folien – sofern dies gewünscht ist – jederzeit zu verbessern.

Im Gespräch mit einigen Dozenten haben wir recht schnell gemerkt, dass es zahlreiche Ansatzpunkte gibt, die bisher geplanten Funktionen von Tweedback zu erweitern oder auf andere Bereiche der akademischen Didaktik auszuweiten. Ob und in wie weit diese Ideen umsetzbar sind, wird derzeit evaluiert. Wir sind auch immer noch für neue Vorschläge offen und können versprechen, dass jeder Wunsch mindestens diskutiert und auf seine Umsetzbarkeit hin überprüft wird.