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Der Blick über den Tellerrand

Um bei der Entwicklung des Tweedback-Systems nicht von der gefürchteten Betriebsblindheit übermannt zu werden, haben wir bereits vor einiger Zeit um Unterstützung aus der Riege der Didaktiker gebeten. Diese ließen sich nicht lange bitten und begannen ihren pädagogischen Blick auf Tweedback zu richten.

Wir erhofften uns hierbei auf zwei “Baustellen” etwas Unterstützung: Einerseits benötigten wir professionelle Hilfe hinsichtlich der didaktischen Besonderheiten von großen Veranstaltungen um Tweedback nicht “an den Studenten vorbei” zu entwickeln. Andererseits waren wir darauf aus jemanden zu finden, der die Einführung von Tweedback empirisch begleitet und die Einschätzung und Beurteilung von Studierenden und Lehrenden erhebt.

So trafen wir uns nun also am vergangenen Dienstag mit den Pädagogen Jüte-Sophia Sigeneger und Andreas Langfeld, die bereits im Vorfeld eine Expertise zu den didaktischen Aspekten von Tweedback erstellt hatten.

Im Rahmen des kleinen Meetings tauschten wir uns dann über die Anmerkungen und Empfehlungen der beiden Autoren aus. Wir beleuchteten erneut sämtliche geplanten Funktionen von Tweedback – diesmal allerdings mit stärkerem Fokus auf den didaktischen Aspekten. Man merkt dabei recht schnell, dass viele Funktionen und Ideen “im Vakuum” sehr nützlich und für den Austausch in großen Veranstaltungen förderlich erscheinen, bei genauerer – professioneller, pädagogischer – Betrachtung ihre Schwachstellen offenbaren.

So hat bspw. die Like-Funktion (also das “Hochvoten” von Fragen und Anmerkungen von Studenten durch die Kommilitonen) zwar den Vorteil, dass der Dozent recht schnell einen Überblick bekommt, welche Fragen gerade von allgemeinem Interesse sind. Andererseits verstärkt sich dadurch aber auch die Gefahr, dass “abweichende”, andere, kritischere Meinungen und Äußerungen übersehen werden. Diese Gefahr besteht bspw. beim klassischen Melden mit der Hand nicht, da hier jeder Student der den Arm hebt gleichberechtigt ist.

Desweiteren wurde über folgende Punkten gesprochen:

  • Rubriken für die Chatwall: Möglichkeiten des Einsatzes eines drop-down-Menus, welches es dem Studenten ermöglicht, den Fragen die er stellt eine Kategorie (z.B. organisatorisch, inhaltlich etc.) zuzuordnen.
  • “beständige” Veranstaltungen: Überlegung, ob Dozenten in der Lage sein sollten, Veranstaltungen anzulegen, die über ein Semester lang gültig sind. So könnten bspw. Abstimmungsergebnisse von kurzen Multiple-Choice-Frage gespeichert werden und die Studenten könnten sehen, ob sie sich im Laufe des Semesters bei der Beantwortung der Fragen verbessert haben.
  • Kommentarfunktion: Frage danach, ob es den Studenten ermöglicht werden sollte, auf Fragen eines Kommilitonen reagieren zu können (in diesem Falle durch einen Kommentar). Dies würde die Interaktivität und Selbständigkeit zwischen den Studenten zwar erhöhen aber vielleicht auch eine zu hohe Ablenkungsgefahr bieten.

Abschließend wurde die praktische Einführung von Tweedback erörtert. Wie bringt man den Dozenten die Technik nahe? Wie ermöglicht man das Ausschöpfen sämtlicher Möglichkeiten? Wie verhindert man ein schnelles “Abstumpfen” der Studenten? Wie sorgt man dafür, dass die Dozenten mit der Technik nicht überlastet werden?

Bestenfalls wird dies vermutlich durch drei Punkte realisiert: 1) Kleine Dozentencoachings anbieten, im Rahmen derer Technik und Möglichkeiten von Tweedback vorgestellt und Empfehlungen für den Einsatz angeboten werden. 2) Den Austausch unter den Lehrenden, die Tweedback einsetzen (wollen) fördern, so dass die Dozenten gegenseitig von den Erfahrungen der anderen lernen können. 3) Kurze Handouts erstellen, die Handlungsmöglichkeiten und Einsatzmodelle für unterschiedliche Veranstaltungsformen aufzeigen.

Eines hat das Treffen gezeigt: Austausch mit Vertretern aus anderen Disziplinen ist immer sehr erhellend, weil der erlebte Perspektivwechsel (bzw. das Aufsetzen einer anderen Brille) immer neue Aspekte des interessierenden Gegenstandes (hier also Tweedback) erkennen lässt. Darum möchten wir auch an dieser Stelle noch einmal unseren beiden Pädagogen für das sehr ergiebige Treffen danken.